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Die Krebspest ist wohl wohl eine der gefürchtesten und bekannteste
Krankheiten, die Flusskrebse befallen können. Sie wird von dem
Schlauchpilz Aphanomyces astaci ausgelöst. Die Krebspest brach in
Europa erstmals 1860 in der Lombardei aus. 1960 wurde dann durch
schwedische Krebsliebhaber der Signalkrebs von der Westküste
Nordamerikas nach Europa als Ersatz für den Edelkrebs importiert, da
dieser widerstandsfähiger ist. Trotz aller wissenschaftlicher
Warnungen wurde er in heimische Gewässer eingebracht, mit der Folge, dass
die letzten heimischen Krebsbestände durch den Signalkrebs, den
Überträger der Krebspest, gefährdet und fast gänzlich ausgelöscht
wurden, weshalb unser Edelkrebs mitlerweilen auf der Roten Liste steht.
Seither hat sich die Krankheit weiter verbreitet, was zu einer fast
gänzlichen Ausrottung vieler Krebspopulationen, insbesondere des
einheimischen Flusskrebses, Astasus astacus, führte.
Tödlich Für
alle australischen und europäischen Flusskrebsarten wie
Astacus, Austropotamobius und Cherax verläuft diese Pilzerkrankung
tödlich, während alle amerikanische Flusskrebsarten wie Cambarellus,
Orconectes, Pacifastacus und Procambarus zwar ebenfalls infiziert
werden, aber daran gewöhnlich nicht sterben. Sie sind gegen diesen
Erreger nahezu Immun, da körpereigene Enzyme den Pilz bereits in den
äußeren Hautschichten angreifen, ihn einkapseln und somit eine
Ausbreitung in andere Gewebe verhindern. Diese Krebse sind aber nur
teilresistent. Wenn sie infiziert werden, kann ihr Immunsystem
den Erreger in Schach halten, solange nicht andere Erkrankungen, Stress
oder starke Wasserbelastungen hinzukommen. Unter diesen ungünstigen
Bedingungen fallen die amerikanischen Flusskrebse der Infektion
ebenfalls zum Opfer. Entscheidend aber ist, dass sie auch ohne Symptome
den Erreger übertragen können! Von daher sind mit amerikanischen
Flusskrebsen besiedelte Gewässer als Lebensraum für unsere
einheimischen Edelkrebse auf Dauer nicht mehr besiedelbar. Würden
allerdings alle Flusskrebse aus einem Gewässer entfernt werden, so ist
dieses nach wenigen Tagen wieder als Lebensraum von Edelkrebsen
geeignet, denn die Schwärmersporen des Erregers haben für das aufsuchen
eines Wirts selbst nur maximal fünf Tage Zeit. Danach sterben die
Sporen ab. Der Pilz selbst bildet keine Dauerstadien. Sicherlich ist
dies nicht realisierbar, unter praktikablen Aspekten nicht möglich und
könnte wenn, dann nur in isolierten, kleinen Gewässern erfolgen,
beispielsweise in ablassbaren Teichen wie in der Aquakultur. Die
Strategien der Züchter in betroffenen Gebieten konzentrieren sich daher
darauf, resistente Arten wie den amerikanische Perocambarus clarkii zu
züchten. Alternativ stocken sie ihren Bestand mit heimischen Arten auf
und betreiben Aufklärung, um einen erneuten Pilzbefall durch angesteckte
Tiere oder verseuchte Geräte zu verringern. Gifte oder
Desinfektionsmittel haben Konsequenzen auf die gesamte Biosphäre und
sollten deshalb keinesfalls eingesetzt werden. Die
Aufklärungskampagne ist vor allem in Nordeuropa sehr bemerkenswert. Die
Bevölkerung hat in dieser Region eine sehr gute Kenntnis dieser
Krankheit, ihrer Bedeutung und die Präventivmaßnahmen (Notfallpläne),
die angewendet werden müssen, wenn sich die Krankheit ausbreitet. Infektion Ein
rasches Wachstum des Pilzes und eine optimale Beweglichkeit der
Zoosporen liegen um 20 °C vor. Unter 10 °C und über 25 °C zeigt der
Wachstum des Pilzes nur eine eingeschränkte Aktivität und die Krankheit
benötigt somit länger bis zum Ausbruch, der aber dann genauso tödlich
endet. Die Infektion erfolgt durch Zoosporen, die sich mit Hilfe zweier
Geißeln aktiv bewegen können. Bei der Häutung oder beim Tod infizierter
Flusskrebse gelangt der Schlauchpilz Aphanomyces astaci ins Wasser und
produzieren dort Unmengen an Zoosporen. Diese Sporen bewegen
sich mit Hilfe ihrer Geißeln fort und suchen nach einem neuen Wirt. Sie
orientieren sich bei der Suche nach einem Krebs an der Dichte der von
einem möglichen Wirt ausgestoßenen chemischen Substanzen. Hat eine
Spore ihr einen Wirt erreicht, so werden die Geißeln abgeworfen und
eine Zyste wird gebildet. Die Spore versucht am Ziel einzudringen. Ist
sie nicht auf einem Flusskrebs gelandet, bildet sie erneut Geißeln und
die Suche nach einem geeigneten Wirt wird fortgesetzt. Dieser Vorgang
kann jedoch insgesamt nur zwei bis dreimal wiederholt werden, da durch
die Geißelbildung die Substanz der Zelle bald aufgebraucht ist und sie
zugrunde geht. Gelangt eine Spore jedoch auf einen Flusskrebs,
bildet sie eine Zyste, dringt in ihn ein, entwickelt sich zum Pilz und
breitet sich ungehindert aus. Beim Kamberkrebs, Orconectes limosus, nur
in den äußeren Hautschichten und beim Edelkrebs, Astacus astacus, sowie
Cherax-Arten in nahezu allen Geweben, insbesondere der Muskulatur. In
Beständen heimischer Flusskrebse mit geringer Dichte kann es zum
chronischen Verlauf der Pesterkrankung kommen. Durch die geringe
Wirtsdichte finden nur wenige Sporen wieder einen Krebs. Dadurch bleibt
auch die Sporenkonzentration unter einer kritischen Zahl. Nimmt der
Krebsbestand aber zu, wird ein kritischer Punkt erreicht, bei dem es
zum epidemischen Ausbruch der Krebspest kommt. Bei nicht zu hoher
Krebsdichte und für die Sporen suboptimalen Temperaturen kann ein
geringer Teil der Tiere einen Krebspestausbruch überleben, ohne
angesteckt zu werden. Es kommt zum Wiederaufbau einer Population, die
jedoch bei erreichen der kritischen Dichte wieder zusammenbricht
(„Pestschaukel“), da die Infektionsbrücke nicht unterbrochen wurde. Andere Übertragungswege Der
Fadenpilz ist sehr widerstandsfähig. Nicht nur Flusskrebse können die
Krankheit übertragen. Er kann über andere Wassertiere übertragen
werden, aber auch über kontaminierte Boote und Fischereiausrüstungen.
Bei der Haltung mehrer Krebsearten ist, um eine Ansteckung zu
verhindern, auf eine gründliche und genaue Hygiene zu achten. Denn auch
mit dem Wasser selbst, dem hantieren mit aquaristischen Geräten wie
Fangnetzen oder Pflanzen, die von einem Aquarium ins ander gesetzt
werden, kann die Krankheit übertragen werden. Theoretisch langt somit
ein einziger infizierter Wassertropfen, um Tiere in einem neuen
Aquarium oder Hälterungsbecken zu infizieren. Eine Diagnose
konnte bislang nur über sehr aufwändige Laborverfahren gestellt werden.
Durch ein von Dr. Oidtmann entwickeltes Verfahren kann anhand einer
Gewebeprobe eines verstorbenen Krebses mit Hilfe der
Polymerase-Kettenreaktion ein genetischer Fingerabdruck des Erregers
hergestellt werden. So kann innerhalb kurzer Zeit nachgewiesen werden,
ob es sich dabei um den gefährlichen Erreger Aphanomyces astaci handelt. Symptome Symptome
treten frühestens einen Tag nach einer Infektion auf. Diese können sich
durch weiße Stellen in der Muskulatur und braune Verfärbungen am Panzer
äußern. Die Krebse halten sich auch am Tag im offenen Wasser auf und
zeigen sich schlaff. Lähmungserscheinungen, Gleichgewichtsstörungen,
Verlust von Gliedmaßen, vermehrtes Kratzen am gesamten Panzer können
auftreten oder die Tiere verweilen träge und auf der Seite liegend am
Boden, bis hin zu Massensterben ganzer Bestände innerhalb kurzer Zeit. Behandlung Ein
Behandlung ist bisher unbekannt. Bei Infektion ist mit Verlusten von
bis zu 100 % zu rechnen. Der Verzicht auf eine Vergesellschaftung von
amerikanischen und australischen sowie europäischen Arten stellt einen
sehr wichtigen Infektionschutz dar! Es muss also als selbstverständlich
angesehen werden, dass der Besitzer alles versucht, um optimale
Bedingungen für seine Tiere zu schaffen. Dennoch können Veränderungen
des Umfeld sehr oft zu einem raschen Krankheitsausbruch führen.
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