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Die Zucht der meisten Zwerggarnelen ist nicht schwierig. Jedoch verringert sich mit zunehemender Populationsdichte die Aussicht auf Nachwuchs und das Wachstum der Tiere verlangsamt sich deutlich. Welches Phänomen dafür verantwortlich ist kann nur vermutet werden. Eine Möglichkeit wäre, dass ein venatürlicher Schutzprozess eine Überbevölkerung verhindert, welcher in der natürlichen Umgebung dafür sorgt, dass die Tiere bei Trockenzeit genügen Nahrung finden und so das Überleben möglichst vieler Garnelen gesichert ist. Geschlechtsunterschied Für eine erfolgreiche Vermehrung braucht man natürlich ein Männchen und ein Weibchen. In größeren Gruppen ist die Chance größer, dass beiderlei Geschlechter vorhanden sind. Wie aber lassen sich Männchen und Weibchen unterscheiden? Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass Weibchen größere Bauchtaschen haben. Sie werden oft größer, wirken bulliger und sind bei einigen Arten etwas intensiver in der Farbe. Ein unverwechselbares Kennzeichen jedoch ist es, wenn das Weibchen Eier zwischen den Schwimmbeinen trägt. Ebenso ist bei laichbereiten Weibchen der Eifleck im Nacken zu erkennen, welcher bei den Männchen fehlt. Männchen wirken zudem meist schlanker, haben einen flachen Bauch, sind kleiner und tragen einen kürzeren Kopfpanzer als die Weibchen.
Die Fortpflanzung
Die Eiproduktion beginnt im Nackenbereich der Weibchen und wird als Eifleck oder Laichansatz bezeichnet. Je nach Art kann der Laichansatz unterschiedlich gefärbt sein. Bei der Red Cherry Garnele ist dies beispielsweise als gelber Nackenfleck erkennbar. Glasgarnelen bekommen dagegen einen olivgrünen
Nackenfleck, die White Pearl Garnele dagegen eine weißen. Nachdem der Laichansatz so weit entwickelt ist, dass die Eier befruchtet werden können, häutet sich das Weibchen. Um von den Männchen, als für die Begattung bereit, erkannt zu werden, sondert das Weibchen während der Häutung Duftstoffe (Pheromone) ab. Bemerkbar macht sich dieses für den Aquarianer am sehr aktiven Schwimmen der Garnelen die sich kreuz und quer durch das Aquarium bewegen. Dieser Vorgang kann oft nach einem Wasserwechsel beobachtet werden, welcher die Garnelen zur Häutung und somit oftmals dann auch zur Paarung anregt. Hat ein Männchen ein zur Paarung bereites Weibchen gefunden, so versucht es sich an ihrem Rücken zu heften und ein Samenpaket abzugeben. Dazu rutscht das Männchen an der Seite des Weibchens herunter oder aber das Männchen liegt auf den Rücken unter dem Weibchen und gibt unter Zuhilfenahme der ersten beiden Schwimmbeinpaare (Pleopodenpaare), die zusammen ein Kopulationsorgan bilden, ein mit einer Schutzhülle umgebenes Samenpaket (Spermatophore) im Bereich der weiblichen Geschlechtsöffnung ab. Diese befindet sich zwischen den Schreitenbeinen. Die Begattung ist nur von kurzer Dauer. Einige Minuten nach der Begattung beginnt die Eiablage. Dabei nimmt das Weibchen eine gekrümmte Haltung ein und schiebt ihren Schwanzfächer zwischen die Schreitbeine, dorthin wo sich das Spermapaket befindet. Nun presst es die Eimasse über den Rücken durch die Geschlechtsöffnung in die Bauchtasche. Während dieses Vorgangs vermischen sich die gelartigen Samen des angehefteten Samenpaketes mit der Eimasse und es kommt zur Befruchtung. Anschließend werden die Eier mit einem Haftschleim an die Schwimmbeine geheftet und dort vom Muttertier ausgiebig geputzt und stetig durch fächern mit Frischwasser versorgt.
Sollte eine erfolgreiche Begattung ausbleiben, werden die Eier
abgestoßen und sind nach einigen Tagen verschwunden. Die meisten
Zwerggarnelen tragen dunkle Eier am Hinterleib. Mit fortschreitender Tragezeit werden
diese zunehmend durchsichtiger, so dass man die Larven mit ihren zwei
dunklen Augen durch die Eihülle sehen kann. Nach etwa vier bis sechs
Wochen schlüpfen die Larven. Nach dem
Schlupf werden die Larven vom Weibchen, meist über Nacht, durch
Zuckbewegungen des Hinterleibs ins freie Wasser entlassen. Dr. Shrimp´s Wissen Die entlassenen Larven werden in zwei Fortpflanzungstypen unterschieden.
Den spezialisierten Fortpflanzungstyp und den primitiven
Fortpflanzungstyp. Garnelenarten mit großen Eiern bringen nach dem
Schlupf meist bereits
fertig entwickelte Jungtiere (spezialisiert) und Garnelen mit sehr kleinen, entlassen
Zoäe-Larven(primitiv) zur Welt. Die Zoea-Larve ist das erste von mehreren
Entwicklungsstadien, an deren Ende die Junggarnele steht.
Spezialisierter Fortpflanzungstyp Beim spezialisierten Fortpflanzungstyp kommen nach einer Tragezeit von etwa vier Wochen, je nach Art unterschiedlich zwischen 20 und 50 fertig entwickelte Junggarnelen zur Welt, die bereits kleine Abbilder ihrer Eltern sind und sofort zum Bodenleben übergehen, wie bei der Red Cherry-Garnele. Die Garnelen dieses Fortpflanzungstyps benötigen kein Brackwasser und die Aufzucht der Jungen ist verhältnismäßig einfach. Die Junggarnelen finden bereits in Javamoos, auf Moosbällen oder im Mulm, der sich am Boden angesammelt hat, genügend Futter. Hält man Garnelen in einem Gesellschaftsaquarium und möchte dennoch die Larven aufziehen, so sollte man das Muttertier in ein zuvor eingerichtetes Aquarium umsetzen. Mit dem Umsetzen sollte man allerdings bis kurz vor dem Entlassen der Larven warten, da das Herausfangen Stress für die Tiere bedeutet und es bei zu frühen Umsetzen vorkommen kann, dass die Eier vorzeitig abgestoßen werden.
Die Zucht von Zwerggarnelen des spezialisierten Fortpflanzungstyps gelingt auch in Gesellschaftsaquarien, in denen sich genügend Versteckmöglichkeiten und eine ausreichende Bepflanzung befinden. Wer Zwerggarnelen jedoch gezielt züchten möchte, der sollte die verschiedenen Arten jeweils in einem separaten Aquarium ohne Fische halten.
Primitiver Fortpflanzungstyp
Zum primitiven Fortpflanzungstyp gehören Garnelenarten die nach Entlassen planktisch leben und nach einiger Zeit zum benetischen Leben übergehen. Das heißt, sie wandeln sich vom im Wasser schwebenden Larvenstadium, in dem sie kopfüber durchs Wasser treiben, zum bodenorientiertem um und können nach vier bis sechs Wochen am Boden krabbeln und fressen. Dies ist unabhängig davon, ob sich die planktisch (frei schwebend) lebenden Larven im reinen Süßwasser oder im Meerwasser weiterentwickeln. Zu diesem Fortpflanzungstyp zählen Arten wie Amano-, Nashorn- oder Glasgarnelen. Viele Arten des primitiven Fortpflanzungstyps, bis auf einige Macrobrachien, benötigen Meerwasser zur weiteren Aufzucht. Bei der Aufzucht des primitiven Fortpflanzungstyps muss man einiges beachten. Das Aufzuchtaquarium sollte ohne Bodengrund und mit einem üfterstein, der nur ganz leicht sprudeln darf, eingerichtet werden. Wenn dieser zu stark sprudelt, werden die Larven gegen die Scheibe getrieben und verletzt, was zu hohen Verlusten führen kann. Die Larven, darunter auch die vielen Macrobrachium-Arten, verfügen über ein außergewöhnliches Verhaltensmuster. Sie orientieren sich, ähnlich wie frisch geschlüpfte Artemia, nach dem Licht. Ab dem Zeitpunkt der Abgabe der Larven darf das Licht nicht mehr ausgeschaltet werden, da die Larven dem Licht zustreben und nach Abschalten der Beleuchtung orientierungslos durchs Aquarium treiben und somit an der Aquarienscheibe zerschellen oder am Boden verenden würden. Deshalb muss das Licht ständig angeschaltet bleiben, damit sie im Dunkeln nicht die Orientierung verlieren. Alternativ kann auch ein Mondlicht oder ein Nachtlicht aus dem Baumarkt mittig über das Aquarium montiert werden. Deren Stromverbrauch ist sehr gering und macht sich kaum auf der Stromrechnung bemerkbar.
Einige Arten, wie Macrobracheien, stellen ihren Jungtieren nach, andere Arten vertragen das Aufsalzen nicht und beginnen zu kränkeln. Um dies zu verhindern, sollten die Eltern aus dem Aufzuchtaquarium entfernt werden. Nach etwa zwei Tagen häuten sich die Larven erstmals, danach sind verlängerte Greifbeine zu erkennen. Jetzt kann die Zufütterung beginnen. Da die Larven ständig und schnell wachsen, braucht man alle paar Tage eine neue geeignete Futtergröße. Anfangs sollten die Larven mit flüssigem Plankton (Liquizell) später mit pulverförmigen Plankton (Mikrozell, von Hobby, dohse-Aquaristik) und mit 100 %igem Spirulina-pulver gefüttert werden.
Ab einer Größe von 4 mm kann mit frisch geschlüpften Artemia-Naupilen sowie mit feinem Flockenfutter zugefüttert werden. Da die freischwimmenden Jungtiere ihrem Futter nicht nachjagen, sondern warten, bis ihnen dies vor die Fangarme schwimmt, muss sich immer genügend Futter im Wasser befinden. Nach etlichen Häutungen und verschiedenen Entwicklungsstadien – bei Amano-Garnelen neun – sind die Larven nach ca. vier Wochen zu jungen Garnelen herangewachsen und gehen zum Bodenleben über. Wenn etwas nicht stimmt, beispielsweise durch schlechte Wasserwerte wie zu hohen Nitratgehalt, dauert es bei manchen Würfen auch mal länger.
Nachfolgende Tabelle zeigt, welche in der Aquaristik häufig gehaltenen Garnelen welchem jeweiligem Fortpflanzungstyp angehören.
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